Eisenbahnmuseum Rheinsberg 7. April 2026 .... über den Rand der Motorhaube geschaut .... | Oldtimerzunft Guntersblum

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Eisenbahnmuseum Rheinsberg

7. April 2026

.... über den Rand der Motorhaube geschaut ....



Es war nicht mein erster Besuch im Eisenbahnmuseum Rheinsberg, doch es gibt dort für uns Technikbegeisterte immer wieder Neues zu entdecken. Ein Thema hat mich diesmal besonders gefesselt: Die technische Herausforderung der Umspurung vom europäischen Normalspur-Netz auf das sowjetische Breitspur-Netz.

Da ich diesmal alleine unterwegs war, konnte ich die Eindrücke in aller Ruhe sacken lassen. Vieles ist im Museum bebildert und erklärt, doch man braucht Zeit und Geduld, um die Details zu verstehen. Besonders am Beispiel eines Castor-Transporters ließen sich die komplexen Abläufe Schritt für Schritt nachvollziehen:
  • Der Wagen wurde angehoben.
  • Die (Doppel-) Drehgestelle entfernt.
  • Jede Achse einzel ausgetauscht (hierfür war sogar ein spezieller Kran am Wagen mitgeführt und angebaut).
  • Anschließend wurden die Drehgestelle wieder montiert und der Wagen abgesenkt.
  • Zusätzlich waren weitere Anpassungen nötig, um im sowjetischen Netz fahren zu können – so mussten beispielsweise die Puffer entfernt werden.
Und dies Alles wegen 8,5cm.
In der Stille des Museums konnte ich die verschiedenen Exponate auf mich wirken lassen. Oft bleibt mehr hängen, wenn man sich selbst Gedanken über den Einsatz der Geräte macht, als bei einer bloßen Führung.
Ein persönliches Highlight war das Wiedersehen mit alter Fernmeldetechnik, die ich selbst bei meinem Berufsstart noch bedient habe, sowie die Maschine zum Prägen der klassischen Papp-Fahrkarten. Da kommt man unweigerlich ins Grübeln über die rasante technische und persönliche Weiterentwicklung der letzten Jahrzehnte.
Zum Abschluss wurden meine verbliebenen Fragen geduldig beantwortet. Ich hatte sogar das Glück, einen Zeitzeugen zu treffen, der früher selbst bei solchen Umspurungen mitgearbeitet hat. Er erklärte mir, dass der Einzeltausch der Achsen nur bei Spezialfahrzeugen üblich war; bei normalen Wagen tauschte man direkt die kompletten Drehgestelle.
Interessant war auch der historische Exkurs: Später gab es in der DDR Entwicklungen für Umspur-Fahrwerke (Spurwechsel-Radsätze). Da es in Polen jedoch zu einem Unfall kam, den die polnische Seite auf dieses System zurückführte, wurde die Durchfahrt untersagt. Auch die hohen Transitgebühren spielten eine Rolle. Dies führte schließlich zum Bau der Umspuranlage im Hafen Sassnitz-Mukran auf Rügen, von wo aus der Bahnverkehr nach Osten über Eisenbahnfähren abgewickelt wurde.