Zusammenfassung Sachs 600L:
Das Wissen über diese spezifischen Toleranzen ist heute rar gesät. Dass der Instandsetzer damals auf
ein "erhöhtes Spiel" hinwies, ist die eigentliche technische Besonderheit dieses Motors.
Hier ist die Erklärung, warum das beim Sachs 600l so ist und was man unter diesem "besonderen Spiel" versteht:
- Das thermische Dilemma (Luftkühlung & Zweitakt-Diesel)
Der Sachs D600L ist ein luftgekühlter Zweitakter. Der Kolben und damit auch der Kolbenbolzen werden im
Betrieb extrem heiß,
deutlich heißer als bei wassergekühlten Motoren.
- Dehnung:
Der Kolbenbolzen dehnt sich im Betrieb massiv aus.
- Gleitlager-Besonderheit:
Da das Lager im Pleuelauge ein Gleitlager ist, benötigt es einen deutlich dickeren Ölfilm als
ein Nadellager, um den harten Zündschlag des Diesels abzufangen.
- Warum erhöhtes Spiel?
Wenn man dieses Lager nach modernen Maßen für wassergekühlte Motoren (z.B. 0,02 mm) einpassen würde,
passierte beim Sachs 600L
Folgendes:
Sobald der Motor unter Last richtig heiß wird, dehnt sich der Bolzen so stark aus, dass er das Öl aus dem
Lagerspalt
verdrängt. Das Lager würde innerhalb kürzester Zeit fressen.
Der Instandsetzer meinte mit dem erhöhten Spiel sehr wahrscheinlich das Einbauspiel im kalten Zustand, das
für einen Laien
oder Mechaniker moderner Motoren fast schon wie "verschlissen" wirkt. Erst wenn der Motor seine
Betriebstemperatur erreicht
hat, reduziert sich dieses Spiel durch die Wärmedehnung auf das optimale Maß.
- Die konstruktive Besonderheit beim B12 (Direkteinspritzer)
Da Ihr Motor von 1960 ist, gehört er zu den frühen Direkteinspritzern (erkennbar an der Einspritzdüse,
die schräg im Kopf sitzt,
nicht senkrecht wie bei den Wirbelkammer-Vorgängern).
- Druckspitzen:
Der Direkteinspritzer hat einen noch härteren Verbrennungsablauf. Das Gleitlager muss diesen Schlag über
die gesamte Fläche des Bolzens verteilen.
- Schwimmende Lagerung: Oft ist der Bolzen "vollschwimmend" konstruiert. Er hat also sowohl Spiel
in der Pleuelbuchse als
auch (im warmen Zustand) in den Kolbennaben.
- Was wir für die Nachwelt festhalten können:
Die Besonderheit des Sachs 600 mit Gleitlager ist:
- Ein strammes Lager ist sein Tod.
- Ein fachgerecht instandgesetztes Pleuelauge beim Sachs 600 muss im kalten Zustand ein deutlich spürbares,
fast klapperndes
Radialspiel haben (oft im Bereich von 0,04 bis 0,06 mm, was für ein Bolzenlager dieser Größe enorm viel
ist).
- Wird es zu eng gemacht (was viele Instandsetzer aus Vorsicht tun), überlebt der Motor die erste schwere
Bergfahrt unter
Last nicht.
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Wir halten es für wichtig solche Informationen für die Zukunft zu konservieren. Es ist sicher nicht unserer Aufgabe diesen historischen
Geräten ein Platz in einer Vitrine zuzuweisen, sondern sie am Leben zu erhalten.
Zu diesem Motor gibt es noch zu sagen, der Ursprung war der Holder HD1 Motor, der später als Sachs 500W gefertigt wurde und reisenden Absatz
verbuchen konnte.
Zwischenzeitlich hat Sachs die Firma ILO mit ihren Patenten übernommen. Die flossen in die Entwicklung des Sachs 600L ein.
Das es ein Luftgekühlter Motor wurde war nicht die Zielsetzung, nein bei der einfachen Thermosyphon Kühlung waren die thermischen
Probleme nicht lösbar.
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