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Mit dem Hanomag Zweitakt-Diesel (wie er etwa im R12 verbaut) war,
betreten wir technisch eine
völlig andere Welt.
Dass der Hanomag ein Roots-Gebläse zur Spülung nutzt, macht ihn
besonders
spannend, denn er löst das Problem des Zweitakters viel eleganter
als der schlitzgesteuerte Sachs.
Hier sind die Punkte:
1. Das Roots-Gebläse (Die aktive Beatmung)
Während der Sachs-Diesel auf die Kurbelgehäuse-Spülung angewiesen
ist (was oft zu Schmierproblemen führt),
hat der Hanomag ein externes Gebläse.
Der Vorteil: Er bekommt immer frische, saubere Luft mit
leichtem Überdruck.
Der Sound: Das typische "Singen" oder Pfeifen des Gebläses ist ein
Erkennungsmerkmal, das jedem
Oldtimer-Fan das Herz aufgeht.
2. Die Ventilsteuerung
Im Gegensatz zum Sachs hat der Hanomag Auslassventile im Zylinderkopf.
Das macht ihn zu einem "Längsstrom-Spüler". Die Luft kommt unten
durch Schlitze rein und drückt die
Abgase oben durch die Ventile raus.
Technik-Tipp: Das ist thermisch viel gesünder für den Kolben,
weil die heißen Gase
gezielter abgeführt werden.
3. Kontrast zum Sachs-Diesel
Ein Vergleich der beiden Konzepte:
Sachs: Einfach, kompakt, aber empfindlich bei der Schmierung
(B12-Trauma).
Hanomag: Mechanisch aufwendiger durch das Gebläse und den
Ventiltrieb, aber oft robuster im Dauerbetrieb.
Der feine Unterschied Hanomag D611
Der Greif-Motor ist der "noble Bruder" des Sachs-Diesels.
Während der Sachs-Motor
(wie im B12) einfach und puristisch ist, hat Hanomag beim Greif
richtig Aufwand betrieben.
Keine Kurbelgehäuse-Spülung:
Der Hanomag nutzt das Kurbelgehäuse nicht als Pumpe.
Das bedeutet: Er hat eine echte Druckumlaufschmierung wie
ein Viertakter. Das Schmieröl wird
nicht mit der Verbrennungsluft vermischt, das Risiko von
Ölkohle-Gussknubbeln (wie Sachs 600L am B12-Kolben)
ist dort fast null.
Das Roots-Gebläse:
Dieses Gebläse arbeitet wie ein kleiner Turbolader ohne Abgasantrieb.
Es schaufelt die Luft aktiv in den Zylinder. Das ist "Zwangsatmung"
statt mühsamem Ansaugen.
Der Längsstrom:
Luft kommt unten rein, Abgas geht oben durch die Ventile raus.
Das ist die effizienteste Art,
einen Zweitakter zu bauen.
Der Hanomag eine echte Druckumlaufschmierung mit Ölsumpf,
fast wie ein moderner Automotor.
4. Die "Herausforderung" bei dieser Bauweise:
Einen Punkt gibt es aber, den man als Warnung für die Leser einbauen
kann: Wenn die Kolbenringe
beim Hanomag verschleißen, kann Öl aus dem Kurbelgehäuse in den
Spülluftkanal gelangen.
Dann fängt der Motor an, sein eigenes Schmieröl zu
verbrennen,das ist der Moment, wo auch ein Hanomag "durchgehen"
kann.
Wenn Zweitakt, dann richtig
Aber beim Zweizylinder Motor gab es auch richtige Probleme:
Das "Naserümpfen" beim Massey-Harris Pony 820 (und beim Hanomag
R24 mit dem 2-Zylinder D621) hat einen ganz spezifischen Grund.
Während der Einzylinder im Greif noch als "genügsam" galt, hat sich
Hanomag beim
Zweizylinder in Sachen Thermik und Vibration ein paar Probleme
eingehandelt.
A. Die thermische Belastung (Das "Hitzekopf"-Problem)
Der Hanomag-Zweitakter ist extrem kompakt gebaut. Beim Zweizylinder
sitzen die beiden Zylinder sehr
dicht beieinander.
Das Problem:
Die Wärmeabfuhr zwischen den Zylindern war grenzwertig. Wenn der
Hannomag oder MH-Pony im schweren
Ackerbetrieb ran musste, staute sich die Hitze.
Die Folge: Risse im Zylinderkopf zwischen den Ventilen oder
an den Vorkammern waren
B. Das Spülgefälle und die Rußbildung
Zwar hat der Motor das Roots-Gebläse, aber die Abstimmung der zwei
Zylinder aufeinander war heikel.
Wenn das Gebläse nicht mehr den vollen Druck lieferte (Verschleiß an
den Rotoren), wurde die Spülung
unsauber.
Ein Zweitakt-Diesel, der nicht sauber spült, rußt extrem. Dieser Ruß
landet im Ölkreislauf.
Da der Hanomag eine Druckumlaufschmierung hat, wurde das Öl sehr
schnell pechschwarz und "dick".
Wer da den Ölwechsel verschleppte, riskierte Lagerschäden.
C. Vibrationen und Materialstress
Zweizylinder-Zweitakter mit gleichlaufenden Kolben (um die Zündfolge
zu retten) schütteln ordentlich.
Diese Vibrationen setzten auf Dauer den Anbauteilen und dem
Roots-Gebläse selbst zu.
Im MH Pony 820 wirkte der Motor oft "überfordert", weil der
Schlepper für seine Größe recht
schwer war und der Motor ständig am Limit lief.
D. Warum die Leute die Nase rümpfen
Es ist die Kombination aus Wartungsstau und anspruchsvoller Technik:
Ein Viertakter (wie der Pony mit Peugeot-Motor) verzeiht auch mal ein
vernachlässigtes
Ventilspiel oder altes Öl.
Der Hanomag-Zweitakter bestraft Wartungsfehler sofort.
Wenn das Roots-Gebläse Luft verliert oder die Düsen nachtropfen,
schmilzt der Kolben schneller, als man "Hanomag" sagen kann.
Damit war der Zweizylinder-Motor "Die Diva unter den Zweitaktern".
Positiv: Enorme Literleistung und ein Sound, der süchtig
macht.
Negativ: Nur standfest in den Händen von Profis, die das
Kühlsystem sauber
halten und penibel auf die Ölqualität achten.
Spannender Vergleich: Der Sachs-Diesel im B12 war der
"einfache Bauernbursche",
der Hanomag im Pony war der "studierte Ingenieur",leistungsfähiger,
aber wehleidig,
wenn die Bedingungen nicht perfekt waren.
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