Hannomag Von Robust bis Diva | Oldtimerzunft Guntersblum

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Nächster Stammtisch 25. September 2026 19:00 Uhr in der Sportklause Geinsheim



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Hannomag

Von Robust bis Diva

Mit dem Hanomag Zweitakt-Diesel (wie er etwa im R12 verbaut) war, betreten wir technisch eine völlig andere Welt.
Dass der Hanomag ein Roots-Gebläse zur Spülung nutzt, macht ihn besonders spannend, denn er löst das Problem des Zweitakters viel eleganter als der schlitzgesteuerte Sachs.

Hier sind die Punkte:
1. Das Roots-Gebläse (Die aktive Beatmung)
Während der Sachs-Diesel auf die Kurbelgehäuse-Spülung angewiesen ist (was oft zu Schmierproblemen führt), hat der Hanomag ein externes Gebläse.
Der Vorteil: Er bekommt immer frische, saubere Luft mit leichtem Überdruck. Der Sound: Das typische "Singen" oder Pfeifen des Gebläses ist ein Erkennungsmerkmal, das jedem Oldtimer-Fan das Herz aufgeht.

2. Die Ventilsteuerung
Im Gegensatz zum Sachs hat der Hanomag Auslassventile im Zylinderkopf. Das macht ihn zu einem "Längsstrom-Spüler". Die Luft kommt unten durch Schlitze rein und drückt die Abgase oben durch die Ventile raus.
Technik-Tipp: Das ist thermisch viel gesünder für den Kolben, weil die heißen Gase gezielter abgeführt werden.

3. Kontrast zum Sachs-Diesel
Ein Vergleich der beiden Konzepte: Sachs: Einfach, kompakt, aber empfindlich bei der Schmierung (B12-Trauma). Hanomag: Mechanisch aufwendiger durch das Gebläse und den Ventiltrieb, aber oft robuster im Dauerbetrieb.

Der feine Unterschied Hanomag D611
Der Greif-Motor ist der "noble Bruder" des Sachs-Diesels. Während der Sachs-Motor (wie im B12) einfach und puristisch ist, hat Hanomag beim Greif richtig Aufwand betrieben.

Keine Kurbelgehäuse-Spülung:
Der Hanomag nutzt das Kurbelgehäuse nicht als Pumpe.
Das bedeutet: Er hat eine echte Druckumlaufschmierung wie ein Viertakter. Das Schmieröl wird nicht mit der Verbrennungsluft vermischt, das Risiko von Ölkohle-Gussknubbeln (wie Sachs 600L am B12-Kolben) ist dort fast null.

Das Roots-Gebläse:
Dieses Gebläse arbeitet wie ein kleiner Turbolader ohne Abgasantrieb. Es schaufelt die Luft aktiv in den Zylinder. Das ist "Zwangsatmung" statt mühsamem Ansaugen.

Der Längsstrom:
Luft kommt unten rein, Abgas geht oben durch die Ventile raus. Das ist die effizienteste Art, einen Zweitakter zu bauen.
Der Hanomag eine echte Druckumlaufschmierung mit Ölsumpf, fast wie ein moderner Automotor.

4. Die "Herausforderung" bei dieser Bauweise:
Einen Punkt gibt es aber, den man als Warnung für die Leser einbauen kann: Wenn die Kolbenringe beim Hanomag verschleißen, kann Öl aus dem Kurbelgehäuse in den Spülluftkanal gelangen. Dann fängt der Motor an, sein eigenes Schmieröl zu verbrennen,das ist der Moment, wo auch ein Hanomag "durchgehen" kann.
Wenn Zweitakt, dann richtig


Aber beim Zweizylinder Motor gab es auch richtige Probleme:
Das "Naserümpfen" beim Massey-Harris Pony 820 (und beim Hanomag R24 mit dem 2-Zylinder D621) hat einen ganz spezifischen Grund. Während der Einzylinder im Greif noch als "genügsam" galt, hat sich Hanomag beim Zweizylinder in Sachen Thermik und Vibration ein paar Probleme eingehandelt.

A. Die thermische Belastung (Das "Hitzekopf"-Problem)
Der Hanomag-Zweitakter ist extrem kompakt gebaut. Beim Zweizylinder sitzen die beiden Zylinder sehr dicht beieinander.

Das Problem:
Die Wärmeabfuhr zwischen den Zylindern war grenzwertig. Wenn der Hannomag oder MH-Pony im schweren Ackerbetrieb ran musste, staute sich die Hitze.
Die Folge: Risse im Zylinderkopf zwischen den Ventilen oder an den Vorkammern waren

B. Das Spülgefälle und die Rußbildung
Zwar hat der Motor das Roots-Gebläse, aber die Abstimmung der zwei Zylinder aufeinander war heikel. Wenn das Gebläse nicht mehr den vollen Druck lieferte (Verschleiß an den Rotoren), wurde die Spülung unsauber. Ein Zweitakt-Diesel, der nicht sauber spült, rußt extrem. Dieser Ruß landet im Ölkreislauf. Da der Hanomag eine Druckumlaufschmierung hat, wurde das Öl sehr schnell pechschwarz und "dick". Wer da den Ölwechsel verschleppte, riskierte Lagerschäden.

C. Vibrationen und Materialstress
Zweizylinder-Zweitakter mit gleichlaufenden Kolben (um die Zündfolge zu retten) schütteln ordentlich. Diese Vibrationen setzten auf Dauer den Anbauteilen und dem Roots-Gebläse selbst zu. Im MH Pony 820 wirkte der Motor oft "überfordert", weil der Schlepper für seine Größe recht schwer war und der Motor ständig am Limit lief.

D. Warum die Leute die Nase rümpfen
Es ist die Kombination aus Wartungsstau und anspruchsvoller Technik: Ein Viertakter (wie der Pony mit Peugeot-Motor) verzeiht auch mal ein vernachlässigtes Ventilspiel oder altes Öl. Der Hanomag-Zweitakter bestraft Wartungsfehler sofort. Wenn das Roots-Gebläse Luft verliert oder die Düsen nachtropfen, schmilzt der Kolben schneller, als man "Hanomag" sagen kann. Damit war der Zweizylinder-Motor "Die Diva unter den Zweitaktern".
Positiv: Enorme Literleistung und ein Sound, der süchtig macht.
Negativ: Nur standfest in den Händen von Profis, die das Kühlsystem sauber halten und penibel auf die Ölqualität achten.
Spannender Vergleich: Der Sachs-Diesel im B12 war der "einfache Bauernbursche", der Hanomag im Pony war der "studierte Ingenieur",leistungsfähiger, aber wehleidig, wenn die Bedingungen nicht perfekt waren.